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aus drei mach eins in den Pflegeberufen

 „Generalistische“ Ausbildung verbessert Chancen und Qualität in der Krankenpflege

Osnabrück (jel) – Aus drei mach eins: Getreu dieser Devise sind im Januar die bisher getrennten Ausbildungen für Kranken-, Alten- und Kinderkrankenpflege neu in der „generalistischen“ Ausbildung „Pflegefachfrau/-mann“ zusammengefasst worden. Wer jetzt in den Beruf einsteigt, erhält eine umfassende Ausbildung, mit der er für alle Einsatzbereiche in der Pflege qualifiziert wird und sich zum oder nach dem Abschluss der Ausbildung speziell für ein Arbeitsfeld qualifizieren und anschließend noch Studienabschlüsse erwerben kann.

Die Reform zielt darauf, die Pflegeberufe attraktiver zu machen, damit sich mehr Neueinsteiger für das Berufsfeld finden, außerdem soll die Qualität der Ausbildung verbessert und an das Niveau der anderen Länder in Europa angeglichen werden. „Bei unseren Nachbarn ist die Krankenpflege fast überall ein Studienberuf und die Neueinsteiger erwerben Kenntnisse, mit denen sie selbstständig in allen Aufgabenbereichen arbeiten können“, erklärt Kerstin Moldenhauer, die Leiterin der Akademie des Klinikums Osnabrück. „Das bewirkt die Reform der Ausbildung jetzt auch bei uns. Die Auszubildenden erwerben ein größeres Kompetenzprofil, mit dem sie breiter aufgestellt sind und sich nahtlos weiter qualifizieren oder noch Studienabschlüsse erwerben können. Durch eine Kooperation mit der Hochschule Osnabrück und den Niels –Stensen-Kliniken bieten wir den dualen Studiengang ‚Bachelor of Science in Pflege‘ an, und wir denken auch darüber nach, weitere berufs- und ausbildungsbegleitende Studiengänge in Kooperation mit anderen Hochschulen zu implementieren.“

An der Akademie des Klinikums Osnabrück ist neben weiteren Aus-, Fort- und Weiterbildungsfachbereichen auch eine der Fachschulen in der Region etabliert, an denen die dreijährige Ausbildung Pflegefachfrau/-mann„ absolviert werden kann. Daneben wird die Ausbildung nach den Informationen der Agentur für Arbeit noch am Niels-Stensen-Bildungszentrum, am Ameos-Institut, den Diakonie-Pflegeschulen (in Kooperation mit der Klinikums-Akademie), der Akademie für Pflegeberufe und Management (APM), sowie an den Berufsbildenden Schulen Bersenbrück, Haste und Melle sowie an der Schule des Christlichen Krankenhauses Quakenbrück angeboten. Ausbildungskurse starten mehrfach jährlich, so beispielsweise an der Akademie des Klinikums Osnabrück am 1.4., 1.8. , 1.9.sowie 1.10. dieses Jahres.

Jürgen Striewski, der stellvertretende Leiter des Fachbereichs Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung am Klinikum Osnabrück erläutert die Einstiegsvoraussetzung zur Ausbildung wie  ein Realschulabschluss oder ein gleichwertiger Bildungsabschluss. Die Ausbildung erstrecke sich wie bisher über einen Zeitraum von drei Jahren und gliedere sich in mindestens 2380 Unterrichtsstunden Theorie, einschließlich allgemeinbildender Fächer, und 2500 Stunden in verschiedenen Praxiseinsätzen, die im Schwerpunkt beim eigenen Träger und in anderen Gesundheits-/Pflegeeinrichtungen absolviert werden, so Striewski. Auszubildende erhalten eine tariflich geregelte Vergütung (1. Ausbildungsjahr: 1141 Euro, 2. Ausbildungsjahr: 1202 Euro, 3. Ausbildungsjahr: 1303 Euro), zum Abschluss wird ein Staatsexamen abgelegt.

An der Akademie wird es zukünftig eine Angebotserweiterung für Pflegeberufe geben. Mit sog. Wiedereinsteigerkursen für Pflegekräfte und Vertiefungskursen für Altenpflegekräfte bieten wir ein Bildungskonzept, dass neben der Vermittlung von aktuellem Wissen mit einem berufsbegleitendem Coachingkonzept den Wiedereinstieg in den Pflegeberuf individuell unterstützen soll.

Ein Anpassungslehrgang für ausländische Pflegekräfte bietet die Möglichkeit, auf die im Heimatland erworbenen beruflichen pflegerischen Kenntnisse aufzubauen und sich als Fachkraft in Deutschland anerkennen zu lassen.

Der Lehrgang wird so gestaltet, dass auf vorhandenen Ausbildungsinhalte aufgebaut und fehlende Kompetenzen für das deutsche Pflegesystem angeeignet werden.

Auch diese Durchlässigkeit soll dazu führen, dass mehr gut ausgebildete Fachkräfte für den Pflegebereich gefunden werden können. „Darum geht es ja eigentlich bei der Reform“, macht Kerstin Moldenhauer, die Leiterin der Akademie deutlich.  „Es sollen gut ausgebildete Fachkräfte gewonnen werden, die bereits umfassend für alle Einsatzfelder vorbereitet sind und sich noch zusätzliche spezielle Kenntnisse verschaffen können, wenn sie für einen Arbeitsbereich oder eine berufliche Weiterentwicklung erforderlich sind.“

Striewski begrüßt den neuen „generalistischen“ – also umfassenden – Ansatz in der Ausbildung. So seien etwa Kinderkrankenpflege, ambulante Pflege, stationäre Langzeitpflege, Pflege in Akutbereichen und Pflege in psychiatrischen Fachabteilungen neben einem Orientierungs- und Vertiefungseinsatz in der Pflege in der neuen generalistischen Ausbildung zur Pflegefachkraft zusammengefasst.. „Als Haus der Maximalversorgung war es uns auch schon vorher möglich, die Auszubildenden eine Vielzahl von Einsatzbereichen im Klinikum Osnabrück durchlaufen zu lassen, aber es ist natürlich gut, wenn alle Berufsfelder exemplarisch fest in der Ausbildung verankert sind“, so Striewski. Mit den Kenntnissen, die in der Ausbildung vermittelt werden, seien die Absolventen für alle Einsatzfelder im stationären oder ambulanten Pflegebereich geeignet. „Mit dieser  Ausbildung erschließen sich den Absolventen später viele Möglichkeiten“, betont Moldenhauer, „und es sind natürlich auch diese Pflegefachkräfte, die von den Arbeitgebern gesucht werden.“

Ob die Reform dazu führt, dass sich mehr junge Menschen für einen Einstieg in den Pflegeberuf interessieren, lässt sich nach Angaben von Moldenhauer heute noch nicht sagen. „Unsere Kurse für dieses Jahr sind bereits wieder gut besetzt und wir haben viele Bewerbungen – aber das waren sie bei uns auch in den Vorjahren. Die Schulabgänger sind ja noch in der Entscheidungsphase, so dass es sich erst am Jahresende sagen lässt, ob die Reform zu mehr Bewerbern führt “, sagt Moldenhauer. „Tendenziell bewerben sich immer mehr Ausbildungsinteressierte um ein Praktikum, was wir sehr unterstützen. Schon ein Einblick von wenigen Wochen in den Klinikalltag kann die Entscheidung für den Pflegeberuf sehr festigen, denn viele unserer Praktikanten bewerben sich nach dem Einsatz für die Pflegeausbildung“, stellt die Akademieleiterin fest.  

Der Fachbereich der -Akademie bietet dieses Jahr fünf Kurse für jeweils 25 Auszubildende an. Die Ausbildungen sind so organisiert, dass nach den drei Jahren eine weitere Qualifikation für ein spezielles Aufgabengebiet erworben werden kann. „Dazu gibt es bei uns eine Vielzahl von Kursen und Weiterbildungen, die auch berufsbegleitend absolviert werden können“, so Moldenhauer.

Wie Moldenhauer und Striewski berichten, sind es vorwiegend junge Frauen, die in den Beruf einsteigen. „Mittlerweile liegt der Männeranteil in den Kursen etwa bei einem Drittel. Das ist zwar schon deutlich mehr als vor zehn Jahren, als der Anteil vielleicht bei zehn Prozent lag, aber es wäre natürlich wünschenswert, wenn die Reform dazu führt, dass sich noch mehr männliche Bewerber für den Beruf interessieren“, sagt Striewski.

Die Akademie-Chefin und der stellvertretende Fachbereichsleiter gehen davon aus, dass sich künftig mehr Umschüler für eine Krankenpflege-Ausbildung interessieren werden. „Die Umschulungen im Krankenpflegebereich werden ab dem Sommer über den vollen Zeitraum von drei Jahren und nicht wie bisher nur zwei Jahre lang gefördert. Darin könnte ein großes Potential liegen, Personal für den Pflegebereich zu gewinnen“, so Moldenhauer.

Nach Meinung von Moldenhauer ist die Krankenpflege ein spannender und herausfordernder Beruf mit vielfältigen Einsatzfeldern und Entwicklungsmöglichkeiten. „Natürlich sind Wochenend- und Schichtdienste erforderlich und es werden hohe Anforderungen gestellt, aber es ist auch ein erfüllender Beruf, die Perspektiven sind gut und die Bezahlung ist tariflich geregelt“, sagt Moldenhauer. „Ich meine, dass wir dafür sorgen müssen, dass das Ansehen des Berufs noch besser wird.“

Sie glaubt, dass es ein ganz wichtiges Mittel ist, die Qualität der Ausbildung zu steigern, um mehr Berufseinsteiger zu finden. „Diese Idee steckt ja auch hinter dem Gesundheitscampus Finkenhügel, auf dem wir mit dem Klinikum, den Hochschul-Einrichtungen und unserer Akademie mit ihrem Simulationszentrum und den weiteren modernen Einrichtungen zu einem Ort für besonders gute Ausbildungen werden wollen“, so Moldenhauer. In dem Simulationsraum werden die angehenden Pflegefachleute, aber auch Mediziner, Therapeuten etc.  und andere Schüler der Akademie auf Stress- und Notfallsituationen im Stationsdienst vorbereitet, die darin wie im echten Leben mit ihnen „durchgespielt“ werden können – nur dass keine Patienten, sondern computergesteuerte Demopuppen in den Krankenbetten liegen.

Die Pflegeassistentenausbildung wurde inzwischen ausgeschlossen.